Störungen im jungen Erwachsenenalter

Die Adoleszenz, also die Zeitspanne vom Jugendlichen bis zum jungen Erwachsenen, stellt eine wichtige Entwicklungsphase dar. Bis zum Alter von etwa 25 Jahren müssen verschiedene sogenannte „Entwicklungsaufgaben“ bewerkstelligt werden. Dazu gehören biologische und soziale Veränderungen: z. B. die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper und die neue Rolle als Mann oder Frau, die auch die sexuelle Entwicklung und die Partnerwahl beinhalten. Die Ablösung aus dem Elternhaus, die Entwicklung einer tragfähigen Zukunftsperspektive (u. a. Berufswahl) und die Entwicklung persönlicher Wertevorstellungen gehören ebenso dazu.

Gleichzeitig finden in dieser Phase häufig wichtige Prüfungen (Schulabschluss, z. B. Abitur, Bewerbungsverfahren etc.) statt, die als hohe Belastung wahrgenommen werden. Vor dem Hintergrund dieser weitreichenden, für das zukünftige Leben bedeutenden Ereignisse und Veränderungen ist es nachvollziehbar, dass es oft zu Schwierigkeiten bei der Bewältigung dieser Aufgaben kommt. Diese können sich oft in Form einer psychischen Erkrankung bemerkbar machen.

Therapie für junge Erwachsene in der Klinik Windach

Wir haben deshalb in der Klinik Windach ein verhaltenstherapeutisches Behandlungskonzept entwickelt, das auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse eine Unterstützung und Begleitung bei psychischen Erkrankungen in dieser Lebensphase bieten soll. Häufige Störungsbilder, die in diesem Setting behandelt werden können, sind z. B. Depressionen, Persönlichkeitsstörungen und Angsterkrankungen. Darüber hinaus bieten wir, integriert in die Gruppe der jungen Erwachsenen, einige Behandlungsplätze für junge Patienten mit Essstörungen.

Die Therapie erfolgt in einem Gruppenkonzept. Die Bereitschaft, sich in die Gruppengemeinschaft einzufinden, wird dabei vorausgesetzt. Dies bedeutet u. a., dass eine Unterbringung im Dreibettzimmer möglich ist. Die Teilnahme an allen Gruppenterminen und die selbständige Vorbereitung dieser Termine ist ebenso Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie wie das Einverständnis, sich an die Gruppenregeln zu halten, die z. T. über die allgemeinen Klinikregeln hinausgehen (z. B. spezielle Besuchs- und Beurlaubungsregeln).

Wichtige therapeutische Themen während der Behandlung sind neben den o. g. Themen vor allem der Umgang mit Konflikten (bis hin zu Mobbing), die Bearbeitung der individuellen Biographie und die Auseinandersetzung mit der Herkunftsfamilie, die unter Umständen auch im Rahmen eines Familien- oder Elterngesprächs in den Therapieprozess miteinbezogen werden kann. Auch die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körperbild, mit dem persönlichen Medienkonsum, mit Freizeitverhalten und Gesundheitsaspekten (Sport, Ernährung) sowie die Entwicklung tragfähiger Zukunftsperspektiven stellen Aspekte der Therapie dar. Dabei kann auf weitere Angebote der Klinik zurückgegriffen werden (z. B. Sozialtherapie).

Die entsprechende Therapieplanung findet in den begleitenden Einzelgesprächen statt. Ein nonverbaler Zugang zu den therapeutischen Inhalten erfolgt in der Kunsttherapie. Ein wöchentlicher Gruppenausflug, der von der Gruppe eigenständig organisiert und durchgeführt wird sowie die Teilnahme an einer Kochgruppe stärken den Gruppenzusammenhalt.

Aufnahme in die Klinik

Eine Aufnahme ist ab dem vollendeten 18. Lebensjahr möglich.

Kontraindikationen für die Behandlung sind Suizidalität, Drogen- oder Alkoholabhängigkeit, Delinquenz, Vorstrafen bzw. laufende rechtliche Auseinandersetzungen und schweres selbstverletzendes Verhalten. Bei Vorliegen einer Essstörung kann keine Aufnahme bei einem BMI unter 16 kg/m² oder bei schwerwiegender bulimischer Symptomatik erfolgen. Die Teilnahme an den gemeinsamen Mahlzeiten ist für alle Gruppenteilnehmer verpflichtend.

Unter Umständen erfolgt zur vorherigen Abklärung der Indikation ein ambulantes Vorgespräch.
Die durchschnittliche Behandlungszeit in der Gruppe für junge Erwachsene beträgt 6 – 8 Wochen. Eine ambulante Psychotherapie sollte möglichst schon vor Beginn der stationären Behandlung eingeleitet worden sein.

Junge Erwachsene - Ihr Plus an Leistungen

Sie haben die Möglichkeit, zusätzliche Sonderleistungen, sogenannte „Wahlleistungen“ in Anspruch zu nehmen. Diese werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht erstattet.